Wie wird der Einsatz von Antibiotika gemessen?
Erfasste Substanzen
In der Humanmedizin wird der Verbrauch jener Antibiotika bewertet, die für die Überwachung von Antibiotikaverbrauch und Antibiotikaresistenz relevant sind. Die WHO definiert sie über die folgenden anatomisch-therapeutisch-chemischen Gruppen (ATC):
Die Antibiotika zur systemischen Anwendung (J01) bilden den Kern der Analyse, während die übrigen Gruppen weitere Wirkstoffe erfassen, die zur Behandlung spezifischer Infektionen eingesetzt werden.
AWaRe-Klassifizierung
Die WHO hat die AWaRe-Klassifizierung entwickelt, um den angemessenen Einsatz von Antibiotika zu steuern. Sie unterteilt Antibiotika in drei Hauptgruppen:
Zusätzlich zu diesen drei Gruppen führt die WHO die Kategorie „Not recommended" auf, die Fixdosiskombinationen aus mehreren Antibiotika umfasst, deren Anwendung nicht empfohlen wird. Einige Substanzen bleiben „Unclassified", das heisst, die WHO hat sie keiner AWaRe-Kategorie zugeordnet. Jedes Antibiotikum wird anhand seines ATC-Codes einer dieser Gruppen zugeordnet.
Antibiotikaklassen
Antibiotika lassen sich auch nach ihrer chemischen Struktur und ihrer Wirkweise gruppieren, wiederum auf Grundlage der ATC-Codes. Zu den gängigen Klassen gehören Penicilline, Cephalosporine, Makrolide und Chinolone.
Die Klassifizierung nach Antibiotikaklasse zeigt, welche Antibiotika am häufigsten verschrieben werden, während die AWaRe-Klassifizierung zeigt, wie angemessen dieser Verbrauch ist, insbesondere mit Blick auf die Entwicklung bakterieller Resistenzen. Zusammen ergeben die beiden Einteilungen ein umfassenderes Bild des Antibiotikaverbrauchs.
Um Vergleiche über die Zeit, zwischen Regionen und zwischen unterschiedlich grossen Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen, werden die Rohdaten zum Verbrauch (Anzahl Packungen) in standardisierte Kennzahlen umgerechnet. Dieser Prozess folgt der anatomisch-therapeutisch-chemischen Klassifikation (ATC) und der Methodik der definierten Tagesdosis (DDD), die vom WHO-Kooperationszentrum für Methodik der Arzneimittelstatistik festgelegt wurde.
DDD pro 1000 Einwohner pro Tag (DID)
Diese Kennzahl wird vor allem für die nationalen Absatzdaten (IQVIA™) und die Abrechnungsdaten der Krankenversicherung (santéservices ag) verwendet. Sie schätzt den Anteil der Bevölkerung, der täglich mit einem bestimmten Antibiotikum behandelt wird.
Methodik: Die Anzahl DDD wird durch die jeweilige Bevölkerungszahl (laut Bundesamt für Statistik) und durch die Anzahl Tage im Beobachtungszeitraum (z. B. 365 Tage für eine Jahresrate) geteilt und mit 1000 multipliziert. Herangezogen wird die ständige Wohnbevölkerung am 31. Dezember des jeweiligen Jahres. Für das jüngste Jahr beruht die Bevölkerungszahl auf einer Hochrechnung anhand des Anstiegs der Vorjahre. Dieser Wert kann geringfügig angepasst werden, sobald die offiziellen Daten des BFS vorliegen.
Anzahl Verschreibungen pro 1000 Konsultationen oder pro 100'000 Einwohner
Diese Kennzahl wird vor allem für die im ambulanten Bereich vom Sentinella-Netzwerk veröffentlichten Daten verwendet.
Methodik: Die Anzahl Verschreibungen wird durch die Anzahl Konsultationen (einschliesslich Präsenzkonsultationen und Hausbesuche) geteilt und mit 1000 multipliziert. Alternativ kann die Anzahl Verschreibungen durch eine Sentinella-Bevölkerungszahl geteilt werden, die auf der von den teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten in der Grundversorgung betreuten Bevölkerung beruht.
DDD pro 100 Bettentage
Diese Kennzahl standardisiert den stationären Antibiotikaverbrauch anhand der institutionellen Aktivität. Die DDD pro 100 Bettentage berücksichtigt die Gesamtdauer der Spitalaufenthalte.
Methodik: Die Gesamtzahl DDD wird durch die Gesamtzahl der Bettentage des betreffenden Spitals oder der betreffenden Station im jeweiligen Zeitraum geteilt und mit 100 multipliziert.
Aufgrund von Rundungen können die Werte zwischen den Abbildungen leicht abweichen oder ergeben die Prozentangaben nicht genau 100 %.
Der Antibiotikaverbrauch bei stationären Patientinnen und Patienten wird anhand von Daten aus einem Netzwerk öffentlicher Spitäler und privater Akutkliniken überwacht, die freiwillig am Überwachungssystem ANRESIS teilnehmen.
Die nationale Überwachung des Antibiotikaverbrauchs stützt sich auf umfassende, von IQVIA™ aggregierte Absatzdaten der Pharmaindustrie (Sell-In).
Die Erfassung der ambulanten Verschreibungen stützt sich auf die Abrechnungsdaten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aus der Datenbank „Tarifpool" der santéservices ag. Erfasst sind jene Leistungen, für die eine Rechnung bei den Krankenversicherern eingereicht oder von den Leistungserbringern direkt an sie fakturiert wurde.
Die Verschreibungsindikationen stammen aus dem Schweizer Überwachungsnetzwerk „Sentinella", einem Kooperationsprojekt zwischen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und den universitären Instituten für Hausarztmedizin.
Zulassungsinhaber melden regelmäßig die Verkaufszahlen ihrer Produkte an IS ABV.
Das Informationssystem für Antibiotika in der Veterinärmedizin (IS ABV) erfasst Antibiotikaverordnungen für Tiere.