Zunehmende Antibiotikaresistenzen sind ein besorgniserregendes Phänomen, weil Antibiotika eine entscheidende Rolle spielen, um bakterielle Infektionen zu bekämpfen oder zu verhindern. Antibiotika sind ein wichtiger Pfeiler der modernen Medizin:
Antibiotikaresistenzen verlängern die Behandlung von bakteriellen Infektionen oder verunmöglichen sie sogar in gewissen Fällen. Resistenzen verursachen Todesfälle, verlängerte Spitalaufenthalte und höhere Kosten im Gesundheitswesen. Weltweit ist eine Zunahme von Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien festzustellen. Innerhalb der Schweiz überwacht ANRESIS die Situation und publiziert die aktuellen Trends regelmässig.
Vom Ausland heimkehrende Personen können antibiotikaresistente Bakterien einschleppen – vor allem dann, wenn sie im Ausland hospitalisiert worden sind. Personen, die innerhalb von 12 Monaten nach ihrer Rückkehr in der Schweiz ein Spital oder eine Klinik aufsuchen müssen, sollten das medizinische Personal über ihren Spitalaufenthalt im Ausland informieren. Der frühzeitige Nachweis von resistenten Bakterien hilft, deren Verbreitung zu vermeiden und die medizinische Behandlung zu vereinfachen.
Antibiotikaresistenzen betreffen die Humanmedizin ebenso wie die Tiermedizin, die Landwirtschaft und den Umweltbereich. Mit der im November 2015 durch den Bundesrat verabschiedeten Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) nimmt sich auch die Schweiz dem Problem der Antibiotikaresistenzen bereichsübergreifend an. StAR legt für die Humanmedizin, Tiermedizin, Landwirtschaft und Umwelt übergreifende Ziele fest und beschreibt Massnahmen in acht strategischen Handlungsfeldern: Überwachung, Prävention, sachgemässer Einsatz von Antibiotika, Resistenzbekämpfung, Forschung und Entwicklung, Kooperation, Information und Bildung sowie Rahmenbedingungen.
Antibiotika sind (verschreibungspflichtige) Medikamente, die zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt werden. Ob eine Infektion behandelt werden muss, entscheidet der Patient / die Patient zusammen mit dem behandelnden Arzt / Ärztin unter Einbezug der Symptome und der Labor-Resultate. Nicht alle bakteriellen Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden. So werden die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers beispielsweise mit vielen Blasen- und Ohrenentzündungen von alleine fertig – ohne die Hilfe von Antibiotika. Falls Ihnen Antibiotika verschrieben wurden, halten Sie sich genau an die verordnete Dosierung und Behandlungsdauer und lassen Sie keine Einnahme aus. Teilen Sie die ihnen verschriebenen Antibiotika nicht mit anderen Personen und bringen Sie angebrochene Packungen zurück in die Apotheke oder zum Arzt.
Antibiotika sind verschreibungspflichtige Arzneimittel, die Bakterien abtöten oder deren Vermehrung verhindern. Sie wirken nicht gegen Viruserkrankungen (z. B. Erkältungen, Grippe, die meisten Formen der Gastroenteritis), Pilzerkrankungen oder parasitäre Infektionen (wie Malaria).
Antibiotika wirken nicht gegen Grippe oder Erkältungen, die durch Viren verursacht werden. Die Einnahme von Antibiotika in solchen Fällen ist nicht nur nutzlos, sondern aufgrund von Nebenwirkungen auch potenziell gefährlich und erhöht zudem das Risiko, resistente Bakterien zu entwickeln, die dann auf andere übertragen werden können.
Ein Antibiotikum ist eine Waffe, die zunehmend abstumpft, je mehr sie gebraucht wird. Aus diesem Grund sollte man vermeiden, diese Medikamente einzunehmen, wenn sie nichts nützen. Jedes Mal, wenn Antibiotika zum Einsatz kommen, können sich resistente Bakterien vermehren, denn sie ziehen einen Vorteil daraus, dass die anderen Bakterien absterben und ihnen den Platz lassen.
Antibiotika können mit Nebenwirkungen einhergehen. Am häufigsten sind Magen-Darm-Probleme, Durchfall, Übelkeit, Hautrötungen oder Störungen der Nierenfunktion. Welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark, ist sehr individuell. Die Nebenwirkungen hängen auch von den verschiedenen Antibiotika-Klassen ab und davon, ob gleichzeitig auch noch weitere Medikamente eingenommen werden müssen oder Alkohol konsumiert wird.
Menschen werden nicht resistent gegen Antibiotika, sondern nur Bakterien. Die resistenten Bakterien können sich dann vermehren, von einer Person zur anderen übertragen werden und die Behandlung erschweren, verlängern oder in manchen Fällen sogar unmöglich machen.
Resistenzen gegen Antibiotika sind ein natürliches Phänomen, das es schon seit Millionen von Jahren gibt. Es sind nämlich die Bakterien und Pilze selbst, die Antibiotika produzieren, um sich zu schützen oder um anzugreifen. Die ersten in der Medizin verwendeten Antibiotika, wie beispielsweise Penizillin, sind aus Pilzen extrahiert worden. Doch der Verbrauch von Antibiotika ist in der Human- und Tiermedizin seit Mitte der 1940er-Jahre stark gestiegen. Dadurch hat der Mensch das natürliche Phänomen der Antibiotikaresistenz deutlich verstärkt: Jedes Mal, wenn Antibiotika zum Einsatz kommen, können sich resistente Bakterien vermehren, da sie die Einzigen sind, die unter diesen Umständen überleben und wachsen können.
Diese Medikamente sind unerlässlich, um Infektionen vorzubeugen oder zu behandeln, welche bei chirurgischen Eingriffen entstehen können. Antibiotika helfen auch bei der Behandlung von Komplikationen, welche eine Hospitalisierung notwendig machen.
Antibiotika kommen oft zum Einsatz, um bei an Krebs erkrankten Personen die Infektionen nach einer Chemotherapie abzuwehren. Zudem helfen sie bei der Behandlung von Komplikationen häufiger Krankheiten – wie etwa bei durch Diabetes verursachten Fussgeschwüren.
Die Zahl der Infektionen mit Methicillin-resistenten Bakterien der Art Staphylococcus aureus (die etwa Hautinfekte hervorrufen können) ist seit 2004 um zwei Drittel gesunken. Dieser Rückgang ist auf die Bemühungen zurückzuführen, solche Infektionen frühzeitig zu entdecken und rasch zu behandeln.
In der Schweiz verbietet die Verordnung über die Tierarzneimittel seit 1999 den Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung bei Tieren. Dieses Verbot gilt seit 2006 auch in der Europäischen Union.
Quelle: Strategie gegen Antibiotikaresistenzen (StAR), Bundesamt für Gesundheit (BAG). Bilder: Wissenschaftskommunikation/BAG.